AUTOHAUS SCHADENRECHT SB15-H1 - page 3

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Frage:
Darf der Sachverständige eines zu
begutachtenden Haftpflichtschadens auch
Mitarbeiter des reparierenden Autohauses
sein?
Martin Ellinger:
In Deutschland gibt es
kein gesetzlich geregeltes Berufsbild des
„Sachverständigen“. Die Rechtsprechung
lässt es ausreichen, wenn der Sachver-
ständige über eine Ausbildung verfügt,
die zur Leitung einer Kfz-Reparaturwerk-
statt befähigt, also in der Regel die Meis-
terprüfung oder ein vergleichbarer Ab-
schluss, z. B. als Diplom-Ingenieur. Es ist
daher denkbar, dass ein Sachverständiger
Mitarbeiter des den Unfallschaden repa-
rierenden Autohauses ist. Dies kann je-
doch für die Erstattung der Vergütung
des Sachverständigen durch den Schädi-
ger oder dessen Haftpflichtversicherer
problematisch werden. Die Kosten eines
beauftragten Sachverständigengutachters
gehören gemäß § 249 BGB grundsätzlich
zum erstattungsfähigen Schaden. Wurde
ein Gutachten aber von einer Person er-
stattet, die mittelbar eigenes Interesse an
der Schadensermittlung und Schadens-
schätzung hat, weil sie die spätere Repa-
ratur selbst vornimmt, so bestehen Be-
denken an der Unabhängigkeit und
Unparteilichkeit des Gutachters, weshalb
ein solches Gutachten als Grundlage
der Schadensregulierung ungeeignet
erscheint. In solchen Fällen wird nicht zu
erwarten sein, dass die gegnerische Haft-
pflichtversicherung das Gutachten ohne
weiteres akzeptiert. Bei derartigen Kon­
stellationen haben Gerichte bereits bestä-
tigt, dass die Kosten des Sachverständigen
nicht vom Geschädigten oder dessen
Haftpflichtversicherer zu tragen sind (AG
Nürnberg Urteil vom 31.8.2006 - 31 C
3391/06; LG Mönchengladbach, SVR
3/2006, S. VII (Sachverständiger zugleich
Werkstattinhaber); AG St. Wendel, NZV
1998, NZV 1998 Seite 75; AG Köln, Urt.
v. 27.10.1994 - 265 C 344/93; AG Neu-
stadt, Urt. v. 29.5.2006 -1 C 0255/06).
Etwas anderes gilt nach Auffassung des
LG ­Regensburg (DS 2007, 358) für den
Fall, dass zwischen Sachverständigenbüro
und Werkstatt eine betriebliche Trennung
erfolgt. Angesichts dieser uneinheitlichen
Rechtsprechung ist hier Vorsicht geboten.
RA Martin Ellinger, Stuttgart
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In dieser Rubrik stellen Leser Fragen zur Unfallschadenabwicklung
an die Verkehrsanwälte des Deutschen Anwalt Vereins (DAV).
NEUTRAL I TÄT DES SACHVERSTÄND I GEN
Autohäuser fragen und
Rechtsanwälte antworten
+++VERKEHRSRECHTS-
TICKER+++
Nicht nur auf Blinker verlassen
Wenn ein Verkehrsteilnehmer warten
muss, um sich auf die Hauptstraße ein-
zufädeln, dann darf er sich nicht allein auf
das Blinklicht eines vorfahrtberechtigten
Fahrzeuges verlassen. Esmussmindestens
ein weiteres deutliches Zeichen dafür ge-
ben, dass der Vorfahrtberechtigte tat-
sächlich vor dem Wartepflichtigen ab-
biegt. Das entschied das Oberlandes-
gericht Dresden am 20. August 2014 (AZ:
7U1876/13), wiedieArbeitsgemeinschaft
Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltver-
eins (DAV) berichtet.
Ein vorfahrtsberechtigter Autofahrer hat-
te durch Blinken angezeigt, dass er abbie-
gen wollte, war dann jedoch weiter gera-
deaus gefahren. Ein wartepflichtiger Au-
tofahrer hatte auf das Blinken vertraut und
war auf die Vorfahrtsstraße eingebogen.
BeimEinbiegen stieß er mit demblinken-
den Fahrzeug zusammen.
Das Gericht hatte zu entscheiden, welcher
Fahrer welcheVerantwortung für denUn-
fall trägt. Die Richter sahen eineHaftungs-
quote von 70 : 30 Prozent als angemessen
an: Die Hauptverantwortung trage der
Fahrer, der die Vorfahrt missachtet habe.
Den anderen Fahrer treffe allerdings durch
sein missverständliches Verhalten eine
Mitverantwortung.
Der Wartepflichtigedürfenur danndarauf
vertrauen, dass das andere Fahrzeug tat-
sächlich abbiege, wenn über das bloße
Betätigen des Blinkers hinaus noch wei-
tere Handlungen dafür sprächen. Das
könnte zumBeispiel das eindeutige Dros-
seln der Geschwindigkeit oder der Beginn
des Abbiegemanövers sein. Nach Ansicht
der Richter ist neben demBlinken zumin-
dest ein weiteres deutliches Anzeichen
erforderlich. ImvorliegendenFall habeder
vorfahrtsberechtigte Fahrer nicht nur
geblinkt, sondern auch die Geschwindig-
keit deutlich reduziert. Daher trage er eine
Mitverantwortung, die zu der Haftungs-
quote 70 : 30 führe.
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